Endlich Ferien. Für viele Menschen ist nun die Gelegenheit, sich zu erholen, auszuschlafen, im Garten oder im Park zu liegen und zu dösen. Die Jugend sagt „chillen“ dazu, was wortwörtlich so viel wie sich abkühlen bedeutet.
Nicht jeder mag chillen. Viele wollen sich sportlich bewegen, Radfahren, Schwimmen, Wandern, Aktivurlaub, weil man sonst das ganze Jahr nur im Büro sitzt. Je nachdem – was jedem gut tut. Die einen erholen sich eben gerne von der erschöpfenden Arbeit, die anderen sind froh, dass sie mal rauskommen aus der Stadt in die Natur und sich da austoben können.
Doch dahinter steckt auch eine knifflige philosophische Frage: Ist der Sport nun ein Teil der Freizeitwelt oder gehört er eher zum Alltag, d.h. zum notwendigen Bewegungsausgleich und damit zur täglichen Gesundheitsvorsorge? Die Antwort: Irgendwie stimmt beides. Es gibt Sportarten, die kann ich nur im Urlaub machen, z.B. einen Segeltörn, eine Alpenüberquerung, eine Radreise, das braucht einfach Zeit, die wir so nicht haben.
Und andererseits sollten wir mehrmals wöchentlich Ausdauersport betreiben, Joggen, Walken, Radfahren, Schwimmen, weil wir zu viel sitzen. Da sollte ich nicht erst im Urlaub damit anfangen. Man könnte sagen: Sei’s drum, wie es halt jeder so kann und mag.
Ich habe aber an mir selbst erlebt, wie es dann auch eine Kopfsache ist, wie ich meinen Sport angehe. Ich mache jeden Morgen Yoga und chille in der Stille auf meinem Meditationskissen. Im Sommer schwimme ich gern. Auch mag ich das zügige Radfahren. Das brauche ich. Das tut gut, ja es fehlt mir manchmal richtig, wenn ich nicht dazu komme. Dann melde sich mein Körper mit seinen „Zipperlein“ und sagt mir: Los, bewegt dich! Dann gibt es noch das Bogenschießen. Es ist für mich kein Sport, sondern immer wieder ein Kurzurlaub. Aus der gesammelten Stille heraus spanne ich den Bogen, spanne ich mich und lasse los, lasse mich wieder in die Entspannung los. Dieser Wechsel von Anspannung und Entspannung ist wohltuend.

Manchmal erlebe ich mich nur noch schwitzend, schnaufend, den Kopf nach unten, alles zieht an mir vorbei. Ich bin nur noch im machen und funktionieren. Ich sehe die Dinge nicht mehr, die am Wegesrand sind. Das stört mich, die Welt nur noch im Laufschritt wahrzunehmen.
In der Bibel heißt es am Anfang „und Gott ruhte von all seinen Werken, die er gemacht hatte“ und in den 10 Geboten heißt es im 3. Gebot „Du sollst den Feiertag heiligen“. Das heißt dann einfach mal nix tun, halt chillen. Einmal die Woche, wenigstens einmal im Jahr im Urlaub. Einfach nix tun. Das muss man vielleicht erst wieder lernen, vielleicht von der chilligen Jugend.

nach Martin Voß, ev. Sportpfarrer in Bayern, Bad Wiessee
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